Gedankenspiel um die Zeit

Alles dreht sich um die Uhr. Niemand scheint genug Zeit zu haben. Dabei haben wir jeden Tag 24 Stunden davon.

Eine Kollegin hat mir ein Buch geliehen. Das folgende Gedicht hat mich zum nachdenken gebracht.

Ohne große Worte drum herum. Lassen Sie es wirken.

Hier ist es:

 

Nimm Dir Zeit, um zu arbeiten,
es ist der Preis des Erfolges.

Nimm Dir Zeit, um nachzudenken,
es ist die Quelle der Kraft.

Nimm Dir Zeit, um zu spielen,
es ist das Geheimnis der Jugend.

Nimm Dir Zeit, um zu lesen,
es ist die Grundlage des Wissens.

Nimm Dir Zeit, um freundlich zu sein,
es ist das Tor, um glücklich zu sein.

Nimm Dir Zeit, um zu träumen,
es ist der Weg zu den Sternen.

Nimm Dir Zeit, um zu lieben,
es ist die wahre Lebensfreude.

Nimm Dir Zeit, um froh zu sein,
es ist dei Musik der Seele.

Nimm Dir Zeit!

 

aus Bühler (2010) Vom Kopf ins Herz, Band 1, S. 123

Wer fragt der führt: Wie Sie sich mit den richtigen Fragen Stress ersparen.

Sie stecken bis über beide Ohren im Feintuning eines neuen Produktes. Das Telefon klingelt. Der Anrufer bittet Sie um eine Präsentation zum aktuellen Projektstatus. Gedanklich hängen Sie noch an Ihrem Konzept. Schnell greifen Sie ein Stück Papier und kritzeln darauf die Wünsche des Kunden. Noch bevor Sie auflegen rattern Ihre Gedanken. Ihnen wird klar, dass Ihnen diese Präsentation locker 5 Stunden Zeit abverlangt. Ihnen stockt der Atem: „Wann das denn noch?“ Gerade jetzt haben Sie damit nicht gerechnet. Die Präsentation hatten Sie erst in 14 Tagen eingeplant. Wild stapeln Sie Unterlagen von A nach B.  Das neue Produkt soll in 10 Tagen live gehen. Ihr Kopf raucht. Sie kramen ein paar Motivationsbrocken aus der Tasche: „Das wird schon. Dann arbeite ich mal wieder länger. Danach gönne ich mir einen freien Tag.“  So recht will sich keine Gelassenheit einstellen. Im Gegenteil: Der Druck wird stärker. Sie durchforsten Ihren Kalender vergeblich nach möglichen Zeitfenstern.

Druck, Zweifel, Stress vs. Fakten

Ist die Situation wirklich so wie Sie annehmen?

Ja klar, hat der doch gesagt. Der Kunde will die Präsentation. Kunde ist König, also wollen Sie liefern. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch ist die Hektik und der Druck in einer solchen Situation tatsächlich begründet?

Platzt ein unvorhergesehener Auftrag in Ihre Zeitplanung, dann kann das stressig werden:

  • Sie wollen den Kunden nicht verärgern.
  • Bei Ihnen haben Kundenwünsche Vorrang.
  • Sie halten was Sie zusagen.
  • Ihr Servicegedanke steht an oberster Stelle.

Alles gut und schön, doch zu welchem Preis?
Alles hat zwei Seiten. Sie haben immer mehrere Möglichkeiten.

Manchmal liegt die Lösung so nah, aber Sie erkennen diese nicht gleich. Mit den richtigen Fragen kommen Sie einen Schritt weiter.

 

Aufruhr im Wald – Stellen Sie die richtige Frage. 

 

Große Aufruhr herrscht im Wald! Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste! Alle Tiere fragen sich, wer wohl auf der Liste stünde. Als erstes fasst der Hirsch allen Mut zusammen, geht zum Bären und fragt: „Sag’ mal Bär, stehe ich auf deiner Todesliste?“ „Ja“, antwortet der Bär, „Du stehst drauf!“ Voller Angst dreht sich der Hirsch um – und siehe da, zwei Tage später wird der Hirsch tot im Wald gefunden.

Die Angst bei den Waldbewohnern wird immer größer! Die Gerüchteküche brodelt. Der Keiler ist der nächste, der sich ein Herz fasst. Er geht zum Bären und fragt: „Hey, stehe ich etwa auch auf der Todesliste?“ – „Na klar, du stehst auch auf der Todesliste!“ Verängstigt läuft der Keiler davon; am nächsten Tag wird er tot aufgefunden.

Nun bricht Panik bei den Waldbewohnern aus. Nur der Hase traut sich noch. Völlig verängstigt geht er zum Bären und fragt: „Steh‘ auch ich auf deiner Liste?“, und der Bär antwortet: „Natürlich stehst du auch auf der Liste.“ – „Sag mal, Bär, kannst du mich streichen?“ Worauf der Bär brummt: „Na klar, kein Problem!“

Die Moral von der Geschichte?

Bevor Sie sich den Kopf zerbrechen und Ihre Gedanken unnötige Szenarien kreieren, betrachten Sie die Fakten. Stellen Sie die richtigen Fragen:

Hat der Anrufer konkret gesagt bis wann er die Präsentation benötigt?

Haben Sie danach gefragt?

Haben Sie Ihren nächst möglichen Liefertermin genannt oder um Aufschub gebeten?

 

Sprechenden Menschen kann geholfen werden!

Nur weil der Kunde heute bei Ihnen anfragt heißt das nicht, dass Sie sofort liefern müssen. Selbst wenn der Kunde ein genaues Datum nennt, heißt das nicht, dass in seiner Planung kein Aufschub möglich ist. Auch dann, wenn der Kunde den Eindruck vermittelt, dass sein Anliegen sehr dringend ist (Wollen doch fast alle am Besten gestern eine Lösung :)), heißt das nicht, dass Sie Ihren Zeitplan über Bord werfen müssen.

Fragen Sie konkret nach. Glauben Sie nicht, die Antwort schon zu kennen. Anstatt sich unter Druck zu setzen und gestresst ein Anliegen zu bearbeiten, bitten Sie um mehr Zeit. In wenigen Fällen ernten Sie ein nein. Öfter als erwartet wird Ihr Gegenüber Verständnis aufbringen.

Fragen Sie Ihr Gegenüber einfach.

Der Sinn von Weihnachten

Eine Weihnachts-Fabel

Die Tiere diskutierten einmal über Weihnachten. Sie stritten, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei.

„Na klar, Gänsebraten“, sagte der Fuchs, „was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten!“

„Schnee“, sagte der Eisbär, „viel Schnee!“ Und er schwärmte verzückt: „Weiße Weihnachten!“

Das Reh sagte: „Ich brauche aber einen Tannenbaum, sonst kann ich nicht Weihnachten feiern.“

„Aber nicht so viele Kerzen“, heulte die Eule, „schön schummerig und gemütlich muss es sein, Stimmung ist die Hauptsache.“ 

„Aber mein neues Kleid muss man sehen“, sagte der Pfau, „wenn ich kein neues Kleid kriege, ist für mich kein Weihnachten.“

„Und Schmuck!“, krächzte die Elster, „jedes Weihnachtsfest kriege ich was: einen Ring, ein Armband, eine Brosche oder eine Kette, das ist für mich das Allerschönste an Weihnachten.“

„Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen“, brummte der Bär, „das ist doch die Hauptsache. Wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen, verzichte ich auf Weihnachten.“ 

„Mach’s wie ich“, sagte der Dachs, „pennen, pennen, das ist das Wahre. Weihnachten heißt für mich: mal richtig pennen!“ 

„Und saufen“, ergänzte tierisch der Ochse, „mal richtig einen saufen und dann pennen -“, aber dann schrie er „Aua!“, denn der Esel hatte ihm einen gewaltigen Tritt versetzt: „Du Ochse, denkst du denn nicht an das Kind?“
Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: „Das Kind, ja, das Kind, das ist doch die Hauptsache.“ – „Übrigens“, fragte er dann den Esel: „Wissen das die Menschen eigentlich?“

Ingeborg Fülderbrandt

Aus: Arnos Advents- und Why-nachtsbuch, Brendow-Verlag 2001

Bewerten Sie noch oder beobachten Sie schon?

Der alte Mann und das Pferd

Hoch auf dem Felsen, abgeschieden,
lebten der alte Mann und sein Sohn
In stiller Eintracht, wohlzufrieden…

Da lief den beiden das Pferd davon.
Der Nachbar, nach geraumer Frist,
Kam, den Verlust mit zubeklagen.
Da hörte er den Alten fragen:
„ Wer weiß, ob dies ein Unglück ist?“

Und bald darauf, im nahem Walde
Vernahmen sie des Pferdes Tritt:
Das kam und brachte von der Halde
Ein Rudel wilder Rosse mit.
Der Nachbar, schon nach kurzer Frist,
Pries den Gewinn nach Menschenweise.
Da lächelte der Alte leise:
„Wer weiß, ob dies ein Glücksfall ist?“

Nun ritt der Sohn die neuen Pferde.
Sie folgen über Stock und Stein,
Ihr Huf berührte kaum die Erde…
Da stürzte er und brach ein Bein.
Der Nachbar, nach geraumer Frist
Kam, um das Leid mit ihm zu tragen.
Da hörte er den Alten fragen:
„Wer weiß, ob dies ein Unglück ist?“

Bald dröhnt die Trommel durch die Gassen:
Es ist die Kriegsproklamation.
Ein jeder muss sein Land verlassen.
Doch nicht des alten lahmer Sohn.

(Aus: Mascha Kaleko, 1983, Heute ist morgen schon gestern)

Welche Fragen können Sie sich stellen, um eine Situation neu zu bewerten?

Was ist das Wertvollste in Ihrem Leben?

Das wertvollste im Leben

gefunden bei  Zauberkerstin

Es war schon eine Weile her, seit Robert den alten Mann zuletzt getroffen hatte.

Das Studium, Frauen, die Karriere – Robert war aus seinem Heimatort weggezogen und lebte heute am anderen Ende der Republik. Robert hatte wenig Zeit, um über Vergangenes nachzusinnen, manchmal fehlte ihm sogar die Zeit für seine Frau und seinen eigenen Sohn. Er arbeitete an seiner Zukunft und nichts konnte ihn davon abbringen.

Eines Tages erhielt er einen Anruf seiner Mutter. Sie erzählte ihm, dass Herr Roosen am Abend zuvor gestorben war, und dass die Beisetzung am darauf folgenden Mittwoch stattfinden sollte. Erinnerungen tauchten auf und Robert saß still da, und erinnerte sich an seine Kindheit. „Hast du gehört, was ich dir gesagt habe?“ fragte seine Mutter.

„Aber ja, sicher“, antwortete Robert, „Ich habe lange nicht mehr an ihn gedacht – um ehrlich zu sein: Ich dachte, er sei schon seit einigen Jahren tot.“

„Nun, aber er hat dich nicht vergessen. Immer, wenn ich ihn sah, fragte er nach dir. Er schwärmte von den vielen Stunden, die du damals bei ihm drüben verbracht hast, ‚auf seiner Seite des Zauns‘, wie er es nannte“, fuhr seine Mutter fort.

„Das alte Haus, in dem er lebte, war einfach genial“, sagte Robert. „Weißt du, als dein Vater starb, kam Herr Roosen vorbei und meinte, es sei sehr wichtig, dass es auch einen männlichen Einfluss in deinem Leben geben sollte,“ sagte Roberts Mutter.

„Ja, er hat mir viel beigebracht. Ohne ihn hätte ich meinen heutigen Beruf nie erlernt. Er hat sehr viel Zeit damit zugebracht, mir alles zu vermitteln, was er für wichtig hielt. Ich werde zur Beerdigung kommen.“

Obwohl er sehr unter Termindruck stand, hielt Robert sein Versprechen. Er nahm den nächsten Flug in seine Heimatstadt. Die Beisetzung des Herrn Roosen war sehr schlicht. Er hatte keine eigenen Kinder und die meisten seiner Verwandten waren längst verstorben.

Am Abend vor seinem Rückflug besuchte Robert mit seiner Mutter noch einmal das alte Haus, in dem Herr Roosen all die Jahre gelebt hatte. Er blieb auf der Türschwelle stehen. Es war wie eine Zeitreise, als öffnete sich eine andere Dimension. Das Haus war genau so, wie Robert es in Erinnerung hatte. Jeder Schritt, den er darin machte, weckte längst vergessene Erinnerungen. Jedes Bild, jedes Möbelstück erzählte Geschichten. Robert hielt abrupt inne.

„Was ist los?“ fragte seine Mutter.

„Die kleine Schatulle ist weg!“ antwortete Robert.

„Welche Schatulle?“

„Es gab eine kleine goldene Schatulle, die er immer verschlossen hielt – sie stand immer hier auf dem Schreibtisch. Ich habe ihn bestimmt tausend Mal gefragt, was drin ist. Aber er sagte nur immer: das, was mir am wertvollsten ist.“

Die Schatulle war fort. Alles andere im Haus war genau so, wie Robert es in Erinnerung hatte. Alles bis auf die Schatulle. Robert vermutete, dass ein Familienangehöriger diese Schatulle mitgenommen haben musste.

Traurig sagte er: „Nun werde ich niemals erfahren, was für ihn am wertvollsten war.“ Robert war müde, also kehrte er mit seiner Mutter zurück nach Hause und flog am nächsten Tag zurück in seine Wahlheimat.

Etwa zwei Wochen nach Herrn Roosens Tod fand Robert einen Benachrichtigungsschein in seinem Briefkasten. Der Postbote hatte ihn nicht angetroffen und das Päckchen wieder mitgenommen. Als Robert ganz früh am nächsten Morgen zum Postamt fuhr, überreichte ihm der Schalterbeamte ein Päckchen, das so aussah, als sei es hundert Jahre unterwegs gewesen. Die Handschrift des Absenders war kaum zu entziffern, doch schließlich erkannte Robert die Absenderanschrift: Wilfried Roosen.

Robert setzte sich ins Auto und atmete tief durch, bevor er das Päckchen öffnete. Zum Vorschein kamen die goldene Schatulle und ein Briefkuvert. Roberts Hände zitterten, als er die Notiz las: „Bitte übergeben Sie nach meinem Tod diese Schatulle mit Inhalt an Robert Sichter. Sie enthält das, was mir in meinem Leben am wichtigsten war.“ Ein kleiner goldener Schlüssel klebte auf dem Brief.

Robert standen die Tränen in den Augen und sein Herz raste, als er den Schlüssel nahm, und die Schatulle öffnete. Sie enthielt eine wunderschöne goldene Taschenuhr. Roberts Finger glitten über das wunderbar gearbeitete Gehäuse. Der Uhrdeckel sprang auf. Darin standen die eingravierten Worte: „Robert, vielen Dank für deine Zeit! – Harald Roosen“

„Meine Zeit war es, die ihm am wertvollsten war!“ Robert hielt die Uhr eine ganze Weile in der Hand, bevor er zum Handy griff und im Büro anrief. Er sagte alle Termine für die kommenden beiden Tage ab.

„Aber warum denn das?“ fragte seine Sekretärin irritiert.

„Ich möchte ein wenig Zeit mit meinem Sohn verbringen“, antwortete Robert.

 

 

Am EndeWas ist das wertvollste in Ihrem Leben?

Nehmen Sie sich jetzt Zeit!

 

 

 

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