Fürsorgliche Rückkehrgespräche: Ein Führungsinstrument gegen Fehlzeiten?

Wovon sprechen wir hier?

Rückkehrgespräche oder Willkommensgespräche, wie Sie Anne Katrin Matyssek nennt, führen Sie als Führungskraft mit Ihrem Mitarbeiter. Und zwar am Besten immer dann, wenn dieser nach seiner Abwesenheit wieder auf der Arbeit erscheint.

Dabei sind je nach Art und Umfang der unternehmerischen Vorgaben ggf. Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates zu beachten.

Achtung: Ein Rückkehrgespräch hat nichts mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) zu tun. Das BEM ist ein eigener Prozess, welcher der Wiedereingliederung von Langzeiterkrankten dient.

 

Kein Gesetz, schreibt Ihnen vor, dass und in welcher Form Sie Rückkehrgespräche führen müssen. Nur weil es nirgendwo vorgeschrieben ist, dürfen Sie es dennoch tun.

 

Vorteile Rückkehrgespräche für Ihren Führungsalltag: Studienergebnisse

Die Ergebnisse der Kölner Rückkehrgesprächsstudie (eine bundesweite Unternehmensbefragung und eine Betriebsfallstudie in der Automobilbranche) stellte folgende zentrale Funktionen heraus:

  • Rückkehrgespräche können motivationsbedingte Fehlzeiten reduzieren
  • Rückkehrgespräche senken krankheitsbedingter Fehlzeiten
  • Rückkehrgespräche lassen mögliche betriebliche Ursachen von Erkrankungen erkennen und zählen zu den Aspekten der betrieblichen Gesundheitsförderung
  • Mit Rückkehrgesprächen erfahren Mitarbeiter sozial-emotionale Unterstützung und Wertschätzung durch ihren Vorgesetzten.

 

Jetzt ließe sich vorschnell daraus schließen, dass Rückkehrgespräche lediglich in Verbindung mit Gesundheitsförderung im Betrieb zu berücksichtigen sind. Doch dieses Instrument bietet Ihnen viel mehr.

Rückkehrgespräche sind ein zentrales Instrument Ihres Führungsrepertoires. Sie fördern die Gesprächs- und Vertrauenskultur zu Ihren Mitarbeitern.

Man sollte meinen, dass es normal ist mit einander zu sprechen. Über Erfolge, Probleme, Befindlichkeiten und alle anderen Dinge, die den Arbeitsalltag gestalten.

Was die Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit betrifft, darf hier durchaus noch optimiert werden.

 

Das Tabu über Gesundheit und Krankheit zu sprechen

Zugegeben, es braucht etwas Übung und Fingerspitzengefühl mit dem Mitarbeiter über ein sensibles Thema wie Gesundheit zu sprechen. Gerade dann, wenn die Gespräche für alle Beteiligten noch ungewohnt sind.

Sehen Sie es positiv: Hier sitzen Sie und Ihr Gesprächspartner in einem Boot.

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Gesundheit hören?

Fallen Ihnen gleich Worte ein, wie Ernährung, Sport oder Schlaf?
Ja, diese Bereiche gehören sicher auch dazu, aber bedenken Sie, dass es in diesem Gespräch nicht darum geht, dass Sie mit Ihrem Mitarbeiter über Verdauungprobleme, Diäten oder den eingewachsenen Zehennägel sprechen sollen.

In diesem Gespräch geht es um mögliche betriebliche Ursachen für die Abwesenheit.

 

Kennen Sie das, dass Sie gehemmt sind, wenn Dinge noch ungewohnt sind oder Sie sich dabei noch nicht ganz sicher fühlen?
Viele Menschen schieben wir einige Gründe vor, warum etwas nicht funktioniert oder gerade nicht passt.

Was dann hilft?

Motivatoren und zwar der Nutzen.

Was haben Sie in Ihrem Führungsalltag davon, wenn Sie Rückkehrgespräche führen?

1. Kann ich mit dem Mitarbeiter planen?

Ist der Mitarbeiter nicht im Betrieb, kann er seine Arbeit nicht machen. Sie müssen also Ihre Planung umstellen. Wie schön, wenn dieser dann zurückkehrt. Aber ist Ihr Mitarbeiter dann auch wieder voll einsatzfähig, so dass dieser an seinen gewohnten Arbeitsplatz zurückkehren kann? Durch das Gespräch erfahren Sie konkret, ob Sie Ihren Mitarbeiter nach seiner Rückkehr aus einer Erkrankung, wieder zu 100% in Ihrer Planung berücksichtigen können.

 

 

2. Der Mitarbeiter ist auf dem aktuellen Stand

Sie informieren den Mitarbeiter über mögliche Veränderungen in Projekten und andere Entwicklungen am Arbeitsplatz, die sich während seiner Abwesenheit ergeben haben. So hat dieser alle wichtigen Informationen, um seine Arbeit fortzuführen.

 

3. Sie leben Wertschätzung

Wertschätzung leben ist oft einfach gesagt. Wo fängt das an? Zum Beispiel hier! In dem Sie über mögliche Ursachen sprechen und sich damit auseinandersetzen, wie Sie diese aus dem Weg räumen können, signalisieren dem Mitarbeiter Interesse an seiner Arbeitssituation und damit an seiner Person. Ganz in dem Sinne: ” Hey, der Chef interessiert sich für mich und nimmt mich wahr.”

 

 

4. Sie bekommen Ansatzpunkte für die Fehlzeitenreduzierung

Fehlzeiten sind ein Symptom. Diese zu reduzieren, braucht konkrete Ansatzpunkte. Sie können nicht alles allein regeln und schon gar nicht wissen. Durch die Gespräche erfahren mehr über mögliche Ursachen von Fehlzeiten. Hören Sie aufmerksam zu. Daraus abgeleitet können Sie dann betrieblich bedingte Ursachen für Fehlzeiten leichter anpacken.

 

 

5. Sie pflegen die Beziehung: Vertrauen

In dem Sie sich für die Belange der Mitarbeiter einsetzen, stärken Sie das Vertrauen zueinander.

 

 

6. Sie pflegen die Beziehung: Mitarbeiterbindung

Es wird normal, dass Sie mit einandersprechen, auch über Gesundheit und Krankheit. Ein Faktor für die Mitarbeiterbindung.

 

 

7. Sie erfüllen gesetzliche Pflichten

Nicht zu vergessen: Als Vorgesetzter kommen Sie damit Ihrer Fürsorgepflicht gemäß § 618 BGB nach.

Das klingt jetzt plump und ich mag diese Paragraphenschlacht nicht, aber es ist Ihr Job als Führungskraft sich um Ihre Mitarbeiter zu kümmern. Es ist Ihre Aufgabe einen Rahmen zu gestalten in dem die Mitarbeiter Ihren Job machen und sich weiterentwickeln können.

 

Führen Sie konsequent Rückkehgespräche, dann nehmen Sie damit Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter und können dazu beitragen, dass deren Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.

Wenn Sie sich die Liste noch einmal anschauen, dann könnten Sie auch zu dem Schluss kommen, dass Ihr Führungsalltag im Ergebnis dadurch etwas leichter wird.

 

Jetzt haben Sie einige Gründe, die für die Gespräche sprechen.

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